Der Prosecco aus Conegliano und Valdobbiadene ist nicht nur ein weltweit berühmter Wein, sondern auch ein önogastronomisches Produkt, das eine tiefgründige Verbindung zwischen Mensch, Erde und Himmel in sich birgt. Dass die Hügel von Treviso heute als UNESCO-Welterbe anerkannt sind, verdanken sie einer jahrtausendealten Weinbautradition, die den Blick nie von den Sternen abgewendet hat: Ein Universum aus Himmelskörpern, das seit jeher die Produktion eines der edelsten Weine der Welt leitet und beeinflusst.
Der Mond und der Wein: Die Tradition der Mondphasen
Über Jahrhunderte hinweg – lange vor dem Einzug moderner Technologien – richteten die Winzer von Valdobbiadene ihre Arbeit auf den Feldern nach dem Mondkalender aus. Auch heute noch halten viele historische Weingüter diese Praktiken lebendig, in der Überzeugung, dass die kosmischen Zyklen den Saftfluss der Pflanzen und die endgültige Qualität des Weins beeinflussen.
Der Rebschnitt und die Weinlese
Dieses Gespür für die Rhythmen der Natur spiegelt sich perfekt in den Praktiken des Rebschnitts und der Weinbergspflege wider. Während der Phase des abnehmenden Mondes zieht sich der Saft der Pflanzen beispielsweise eher in die Wurzeln zurück; dies ist der ideale Zeitpunkt im Winter für den Rebschnitt, da sich die Rebe in einer Art energetischer Ruhephase befindet und weitaus weniger unter dem menschlichen Eingriff leidet. Im Gegenteil dazu regt der zunehmende Mond das Aufsteigen der Säfte an, was das vegetative Wachstum und das anschließende Erblühen der Triebe begünstigt. Es handelt sich um sensible kosmische Übergänge, die heute viele Erzeuger – insbesondere jene, die auf biologischen und biodynamischen Weinbau setzen – ständig überwachen. Sie tun dies nicht nur, um die natürlichen Behandlungen des Bodens zu planen, sondern manchmal sogar, um die exakten Tage für den Beginn der Traubenlese festzulegen.
Die Abfüllung des „Prosecco col Fondo“
Die berühmteste Verbindung zwischen dem Prosecco und den Gestirnen findet sich im traditionellen Prosecco col Fondo (in der Flasche nachgegoren). Der bäuerlichen Tradition zufolge muss die Abfüllung strikt bei abnehmendem Mond im März oder April erfolgen, um eine langsame, klare natürliche Gärung ohne unliebsame Überraschungen beim Flaschendruck zu begünstigen.
Calici di Stelle: wenn der Wein auf die Astronomie trifft
Diese unzertrennliche Verbindung zwischen dem Weinglas und der Galaxie findet ihren höchsten kulturellen Ausdruck in Calici di Stelle („Kelche unter den Sternen“), dem ikonischen nationalen Sommerevent, das von der Associazione Nazionale Città del Vino und dem Movimento Turismo del Vino organisiert wird.
Jedes Jahr im Hochsommer, zeitgleich mit dem spektakulären Vorbeizug der Perseiden (den berühmten Sternschnuppen rund um die Nacht des Heiligen Lorenz), verwandeln sich die Hügel von Conegliano und Valdobbiadene in eine Freiluftbühne. Historische Weinkeller, Plätze, Burgen und mittelalterliche Dörfer öffnen ihre Tore für Besucher und Weintouristen, um das Zusammenspiel von edlen Tropfen und dem Firmament zu zelebrieren.
Neben den traditionellen geführten Prosecco-Verkostungen und Live-Musik-Momenten bietet die Initiative ein wahrhaft einzigartiges Erlebnis: Viele Gemeinden der Region stellen dem Publikum Teleskope zur Verfügung. Unter der Anleitung erfahrener Hobby-Astronomen kann man die Sternbilder aus nächster Nähe beobachten und tiefgründig verstehen, wie der astrale und lunare Zyklus die lokale Landwirtschaft seit jeher geprägt hat.
Wenn der Wein den Himmel berührt
Die Beschaffenheit des Territoriums (UNESCO-Welterbe) selbst – mit seinen steilen, „heroischen“ Rebhängen, die sich nach oben jagen – vermittelt das Gefühl, dass die Reben die Hügel hinaufklettern, um den Himmel zu „berühren“.
Der Prosecco di Valdobbiadene ist mehr als nur eine meisterhafte Kombination aus Zucker und Säure; er repräsentiert die Essenz eines Ökosystems, das die Rhythmen der Natur und des Universums respektiert. Eine echte emotionale Reise, die in der Lage ist, die Erde mit dem Firmament zu verbinden.


